Библиографическое описание:

Куцова Э. Л., Еремеева Э. И. N. A. Berdyaev Über das Wesen des Menschen im Schaffen von L. N. Tolstoi und F. M. Dostojewski // Молодой ученый. — 2015. — №15. — С. 645-648.

Das vergrößerte Interesse an das Problem des menschlichen Wesens ist heute durch die Aktualisierung der moralischen Fragen, Wiederherstellung der geistigen allgemeinmenschlichen Werte hervorgerufen. Die Entwicklungstendenz der modernen Gesellschaft stellt eine klare Vorstellung davon dar, dass die Rolle des geistig-moralischen Lebens des Menschen immer größer wird. Das Wesen des Menschen war in allen Jahrhunderten vom Ursprung bis heutigen Tagen von großer Bedeutung. Der Drang der russischen Leute nach der kulturellen Identitätsänderung, sowie ihre Westorientierung, lassen heute über die Verbindung der Zeiten nachdenken. Die Periode Ende des XX. bis zum Beginn des XXI. Jahrhunderte gibt eine Atmosphäre der Jahrhundertwende vom XIX. bis ХХ. wieder. Nach wie vor, bleibt das Problem der Aufrechterhaltung und Entwicklung der russischen Menschennatur als eine wichtige und immer noch ungelöste Frage.

Im heutigen Russland zeigt sich das wachsende Interesse an den Werken der Denker der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts., an das Ideenverständnis von N. A. Berdjajew, F. M. Dostojewski, L. N. Tolstoi.

Um russische Menschennatur sowie ihre Einheit und Widersprüche tiefer zu verstehen, ist die Analyse der philosophischen Ansichten von F. M. Dostojewski und L. N. Tolstoi in den Werken von N. A. Berdjajew kennenzulernen. In seinem Werk „Über die Vorbestimmung des Menschen“ zeigt N. A. Berdjajew die Lösung eines der wichtigen Probleme, und zwar, die Analyse der menschlichen Natur als seines sozialen und biologischen Ursprungs. Nach N. Poltoratsky ist die «Nikolai Berdjajew’s Philosophie eine überwiegend anthropologische Philosophie» [5,с.7]. N. A. Berdjajew schreibt: „ Der Mensch ist ein Kreuzungspunkt von allen seinen Daseinsbereichen. Der Mensch ist für sich selbst ein riesiges Rätsel, weil er von der Vorhandensein einer höheren Welt zeugt“ [1,с.57]. Die Menschennatur zu forschen ist es immer außerordentlich kompliziert, aber gleichzeitig auch ziemlich interessant.

Im Kapitel III seines Werkes „Über die Vorbestimmung des Menschen“ analysiert der Autor verschiedene Einstellungen bezüglich der Anthropogenese und der echten Natur der Menschheit.

Der Denker kritisiert die materialistische Begründung der menschlichen Natur, gleichzeitig aber erkennt er keine christliche Gesinnung an, so zum Beispiel:“Der heilige Thomas von Aquin (Foma Aquinat) hatte ein starkes Naturalismuselement. Der Mensch sei kein geistiges Wesen. Gemäß der klassischen protestantischen

Anthropologie hatte der Sündenfall die menschliche Natur völlig gefälscht und zerstört, den Menschen verdüstert, seine Freiheit beraubt und sein ganzes Leben in die Abhängigkeit vom Segen gestellt“ [1,с.58]. Der Meinung von Berdjajew nach ist der Mensch keine sündige und gefallene Kreatur. Er gibt auch die Einstellungen der Soziologen nicht zu und ist überzeugt, dass nur die Wissenschaftler vom Bereich der Künste eine wirklich echte menschliche Natur am besten verstehen. „Die philosophische und wissenschaftliche Lehre vom Menschen ist nicht ausreichend. Die Anthropologie sollte uns durch die großen Künstler, Mystiker und einsame wenig bekannte Denker beigebracht werden. Shakespeare, Dostojewski, L.Tolstoi, Stendhal, Proust geben viel mehr Wissen für das Verständnis der menschlichen Natur als akademische Philosophen und Wissenschaftler — Psychologen und Soziologen " — behauptet Berdyaew, somit drückt er die Idee davon aus, dass die menschliche Seele in ihre Einzelteile nicht zerlegt werden kann [1,с.60].

Der Mensch gehört zum komplizierten zusammengestellten und widersprüchlichen Lebewesen. Und um es zu verstehen, ist die Verbindung zwischen dem Menschen sowie der Menschheit mit dem Überwesen, dem Schöpfer anzuerkennen. „Man soll das Problem des Menschen nur auf Grund seiner Verhältnisse mit der Natur ganz nicht lösen. Das Verstehen des Menschen entsteht nur durch seine Beziehungen zu Gott. Man kann den Menschen nicht durch die unteren Wesen, sondern nur vom Bestand betrachten, der sich über dem Menschen befindet» [1, с. 62]. Auf solche Weise versucht Berdyaev, die menschliche Beziehung zum obersten Ursprung zu begreifen.

Ein tiefgründiger Zusammenhang des philosophischen Erbes von Berdyaew mit der nationalen philosophischen Tradition kann am Beispiel seiner geistigen Nähe zu den Ansichten von F. M. Dostojewski nachvollzogen werden. Viele Forscher wie A. F. Lossew, P. P. Geidenko, I. I. Jewlampiew haben darauf gepasst, dass die Philosophie von Berdyaew mit den Einstellungen von F. M. Dostojewski eng verbunden ist. Alle Werke von F. M. Dostojewski werden durch gefühlsbetonte Dialektik der Wechselbeziehungen zwischen Gottmenschlichem und Menschlich-Göttlichem charakterisiert. Die Menschlichkeit kann von dem Übermenschlichen und Göttlichen nicht separat behauptet werden. Diese schöpferische Idee wurde durch die russischen Philosophen des „silbernen

Zeitalters“ weiter entwickelt, darunter auch durch N. A. Berdjajew. In seinem Werk „Die Weltanschauung von F. M. Dostojewski“ hatte der Autor die Ideen des russischen Denkers analysiert. N. A. Berdjajew betonte, dass F. M. Dostojewski seinem Gefühl, Lebens -, sowie Menschenverständnis nach ein Mystiker war. So schrieb er: „ F. Dostojewski ist ein typischer Russe, ein außerordentlich russisches Genie, der Russe, der unter anderen unseren großen Schriftstellern am größten, und gleichzeitig seiner Bedeutung sowie seinen Themen nach allgemeinmenschlich war“ [2, с. 9–10]. Der N. A. Berdjajew´s Meinung nach hatte F. M. Dostojewski viel Aufmerksamkeit dem Problem der menschlichen Freiheit gewidmet, dieses Thema ist in mehreren seiner Werke sehr aktuell. Dabei versucht er durch seine Helden die Herkunft und Existenz der Freiheit zu erklären. Er hatte zwei Freiheiten, und zwar: die erste — ursprüngliche, und die letzte — endgültige Freiheit. Zwischen diesen beiden Freiheiten liegt der Lebensweg des Menschen, der an Leiden voll ist, der so genannte Spaltungsweg.

Im Werk „ Die Weltanschauung von F. M. Dostojewski“ erörtert N. A. Berdjajew das Thema der Freiheit und des menschlichen Wesens vom Standpunkt von Dostojewski, die Fragen des Verhältnisses Gottes zur Freiheit des Menschen und hält dieses Thema als das wichtigste im Schaffen von Dostojewski.

Er akzeptierte die Einstellung von Dostojewski, dass Christus dem Menschen die Freiheit gegeben hatte, und der Mensch sollte Christus frei annehmen. Laut Berdjajew sei F. M. Dostojewski ein großer Anthropologe wegen seiner Hauptidee, dass zwei polare Welten in einem Menschen entgegenwirken.

Er betonte, dass F. M. Dostojewski am besten verstanden hatte, dass der Mensch nicht nur nach Befreiung von Leiden sucht, aber er ist immer auf der Suche nach Leiden und ist außerdem immer bereit, sich selbst sowie die anderen zu quälen. F. M. Dostojewski wies selbst darauf hin, dass der Mensch von seinem stolzen Wahn nur manchmal fähig ist, an Gott zu glauben.

Diese Auffassung findet N. A. Berdjajew als paradox und erklärt ihren sozialen Sinn darin, dass der Mensch sich vor der Welt, Gesellschaft, den Leuten sowie auch Gott als einziger Quelle seiner Unabhängigkeit und Freiheit nicht verneigen will.

Die Geistlichkeit macht den inneren Kern, innere Kraft des Menschen und ist immer mit Gott verbunden. Das ist Widerstandskraft vor der Macht der Welt und Gesellschaft. In seinen Werken hatte F. M. Dostojewski vielmals betont, dass das innere Leben des russischen Menschen viel komplizierter und reicher im Vergleich mit dem westlichen Leben war.

Seinen Ansichten nach hat der Mensch eine sehr reiche innere Natur und große menschliche Möglichkeiten nur in Russland. Durch diese Behauptungen lassen die N. A. Berdjajew´s Ideen vom Dostojewski´s Schaffen abhängig sein, weil er über die Doppelnatur des russischen Charakters auch schreibt. Der Denker sagte:“ Dostojewski ist genau so wie das ganze Russland, mit all seiner Dunkelheit und Licht… Dostojewski ist der christlichste Schriftsteller, weil der Mensch, die Menschenliebe und Offenbarung der Menschenseele im Mittelpunkt seines Schaffens stehen“ [3, с. 175].

N. A. Berdjajew sind die Ideen von F. M. Dostojewski über das Wesen des Menschen, seine Dualität, den Kampf der seelischen Gegensätze sehr nah, die zum Grunde der Widersprüchlichkeit des Menschen dienen.

Der Autor behauptet, dass der Mensch im Mittelpunkt der Werke von Dostojewski steht, und um ihn herum die Leidenschaft sich immer bildet, wodurch alles gedreht und gewirbelt wird. Es wurde als Drall der leidenschaftlichen, flammenden menschlichen Natur genannt, wodurch ihre Unendlichkeit und Grenzenlosigkeit gezeigt wird. Der Überlegung von N. A. Berdjajew nach brachte F. M. Dostojewski das Thema Gottes in Zusammenhang mit dem Wesen des Menschen.

Die Schicksäle von Raskolnikow und Iwan Karamazow in den Werken von F. M. Dostojewski stellen eine qualvolle Frage über den Menschen und seine Grenzen dar.

Besonders wichtig ist es für N. A. Berdjajew, dass der Mensch bei F. M. Dostojewski im unermesslichen Weltall kein Platz findet, dabei er nicht nur nicht stirbt und verschwindet, sondern im Gegenteil neugeboren ist.

Besonders gekennzeichnet wird das stetige Interesse des Schriftstellers an das ewige Wesen der menschlichen Natur, an ihre Dynamik und innere Bewegung. N. A. Berdjajew glaubt, dass F. M. Dostojewski ein Spiel der menschlichen Leidenschaften durch die Erscheinungen des geistigen Zustands wiedergibt.

Außerdem behauptet N. A. Berdjajew, dass es dem Denker gelang, den tragischen Widerspruch sowie die tragische Bewegung des Menschen zu zeigen, wie er ins göttliche Dasein gesunken wird, ohne dabei zu verschwinden. Die Anschauungsbesonderheiten von F. M. Dostojewski über das menschliche Wesen lassen N. A. Berdjajew sagen, dass dieses Wesen gerade in der inneren Natur des Menschen, seiner Liebe und Offenbarungen seiner Seele liegt.

Das Thema des menschlichen Wesens wurde auch in den Werken von L. N. Tolstoi entdeckt. Aber trotzdem ist N. A. Berdjajew der Meinung, dass dieses Thema durch beide Schriftsteller — Denker ganz unterschiedlich beschrieben worden ist.

Der Philosoph hatte in seinen Schriften selbst bekannt:“ F. M. Dostojewski war mir immer näher als L. N. Tolstoi. Aber mit Tolstoi sind meine Jugend sogar die Knabenjahre eng verbunden, wenn meine ersten Anliegen gegen Böse und Unwahrheit des Lebens, sowie gleichzeitig für Wahrheitsverwirklichung im persönlichen und gesellschaftlichen Leben aufstanden“ [4, с. 256].

Den Hauptunterschied im Verständnis des menschlichen Wesens von L. N. Tolstoy sah N. A. Berdyaew darin, dass die menschliche Gestalt in den Werken von L. Tolstoy im Areal der organischen Naturkraft versunken ist.

N. A. Berdyaew betont, dass die Vielheit in Tolstoi´s Werken nur haushaltsförmig ist und nur in den Erscheinungen der organischen Lebensweise geäußert wird. Seiner Überzeugung nach war L. Tolstoy der Monist als Künstler und Denker [4, с. 261]. Als höchste Errungenschaft in dieser Hinsicht tritt die Charakterlosigkeit und Unpersönlichkeit von Platon Karatajew auf. Dabei meint N. A. Berdyaev, dass der Mensch von Tolstoi´s Werken sich in sein Inneres nicht vertieft, sondern nur als Erscheinung der Daseinsperipherie kommt.

Das führt zur Überzeugung des Denkers, dass L. Tolstoy sich nicht für den Menschen, sondern nur für Gott interessiert.

Während F. M. Dostojewski das Thema des Menschen mit dem Thema Gottes verbindet, so ist L. N. Tolstoi ein Theologe mehr als F. M. Dostojewski.

Laut N. A. Berdyaew war L. N. Tolstoi selbst von vielen Leidenschaften voll, er hatte mehr das Leibes-seelische als Geistliche. In diesem Zusammenhang strebt er nach einer abstrakten Spiritualität, sucht nach dem Sinn des Lebens und Gott, ohne das Leben außer Sinn anzunehmen. Deshalb wäre es zweckmäßig sich an spätes Schaffen von L. N. Tolstoi anzuwenden.

Durch ein besonderes Verstehen des menschlichen Wesens, des Menschenlebens und seines Glaubens kam L. N. Tolstoi zur Verzweiflung an Richtigkeit seiner Äußerungen, was zu seiner tiefen seelischen Krise in 70–80er Jahren führte. Das war der geistliche Wendepunkt des Schriftstellers, der ihn auf neue Weltanschuungs-und Lebenspositionen stellte.

«Gleichsam als ob ich lebte-lebte, ging-ging und kam zu einem Abgrund, und sah ich da klar, dass es im Vorne Nichts außer dem Untergang gibt, ob mein Leben so einen Sinn habe, der durch meinen bevorstehenden Tod unvermeidlich vernichtet würde?» — schrieb er in seiner „Beichte“ [6,с.105].

Laut der N. A. Berdyaew´s Ansichten über das Wesen des Menschen in den Werken von L. N. Tolstoi solle der Mensch sich der spontanen Wahrheit und Göttlichkeit des ungezwungenen Lebensvorgangs passiv geben lassen. N. A. Berdyaew findet die Romane von L. N. Tolstoi als die völligsten von allen solchen, die irgendwann geschrieben worden waren. Sie machen einen Eindruck, als ob sie durch das Leben des Weltalls eröffnet seien und die Seele der Welt sie selbst geschrieben habe.

Das Hauptthema, das in den Werken von L. N. Tolstoi mit dem Verstehen des menschlichen Wesens verbunden ist, ist seine heiße Suche nach Gott, Wahrheit und Lebenssinn. Der Denker findet die Wahrheit und den Lebenssinn unter den einfachen Arbeitsleuten und Bauern.

Das orthodoxe Glauben steht in seinem Verständnis im Widerspruch zur Vernunft. L. N. Tolstoi will das nur auf der Vernunft gegründete Glauben annehmen.

Er verweigert alles, was er als unvernünftig im Glauben findet. N. A. Berdyaev stellt fest, dass das Wesen des Menschen in Verständnis von L. N. Tolstoi als ein Doppelleben betrachtet wird, einerseits, als oberflächliches und bedingtes Bewusstsein, anderseits, als tiefer Naturvorgang des Lebens.

Die Kunst von L. N. Tolstoi steht an der Seite der Naturkraft und der Lebenswahrheit gegen lügenhafte und kraftlose Bestrebungen des zivilisatorischen Bewusstseins. Daher werden alle große Leute und Helden, laut N. A. Berdyaev, in den Werken des Schriftstellers mit Verachtung dargestellt. Im Werk „ Krieg und Frieden“ unterstützt L. N. Tolstoi diejenige Lebensvorgänge des Menschen, die er als göttliche findet.

Immer wieder trat er gegen künstliche und zwanghafte Lebensorganisation des Menschen der Vernunft und Zivilisationsnormen nach auf. Dabei glaubt der Denker nach Behauptung von N. A. Berdyaev an menschliche Persönlichkeit sowie seine Ursprungsfreiheit nicht.

Sein persönliches Dasein bedeutet für ihn das illusorische und eingeschränkte Leben. Das echte richtige Dasein ist das unpersönliche Dasein. Ein glückseliges Leben wird durch den Verzicht auf die Persönlichkeit gekauft.

 

References:

 

1.                  Berdjajew N. A. „Über die Vorbestimmung des Menschen“ — М.: Republik, 1993.- 383 s.

2.                  Berdjajew N. Russische Idee. — М.: Exmo; SPb.: Midgard, 2005.- 528 s.

3.                  Berdjajew N. A. Philosophie des Schaffens, der Kunst und Kultur. — М.: Kunst, UG Liga, 1994.-541 s.

4.                  N. A. Berdjajew L. Tolstoi // Tolstoi L. N.: PRO ET CONTRA: Die Persönlichkeit und das Schaffen durch Einschätzung der russischen Denker und Forscher: Anthologie. — SPb.: Verlag des Russischen christlichen Instituts, 2000.- 243 s.

5.                  Poltoratsky N. P. Gefangener Prophet// Berdjajew N. A..: pro et contra. Anthologie. B. 1. — SPb.: Verlag des Russischen christlichen humanitären Instituts 1994.- 236 s.

6.                  Tolstoi L. N. Beichte // Tolstoi L. N. Gesammelte Werke. in 90 B. B. 23. — М.: schöngeistige Literatur, 1957.- 203 s.

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