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Куцова Э. Л., Заяц З. В. Das Problem des Wertewandels in der modernen Gesellschaft // Молодой ученый. — 2014. — №7. — С. 660-662.

Die moderne sich stetig entwickelnde -Gesellschaft zeichnet sich durch Globalisierung und einen demographischen Wandel aus. Diese Erscheinungen führen zu Veränderungen der gesellschaftlichen und individuellen Wertevorstellungen. Die gesellschaftlich kulturellen Veränderungsprozesse sind in verschiedenen Lebensbereichen zu beobachten. Das betrifft vor allem solche Lebensbereiche wie Arbeitswelt, Religion, Verhältnisse zwischen den Generationen und sogar die Vorstellungen über zwischenmenschliche Beziehungen. Daraus ergibt sich das Problem der Begriffe «Wertewandel» oder «Werteverfall»?

In diesem Artikel versuchen wir herauszufinden, welche Werte der Transformation unterzogen sind und welche Gründe diesen Wertewandel herausgerufen haben.

Die Wertevorstellungen der Menschen veränderten sich im Laufe der historischen Entwicklung. Der Wertewandel in der modernen Gesellschaft lässt sich in drei Phasen gliedern: Der Kapitalismus in seiner heroischen Phase beruht auf bürgerlichen Werten (christliche Werte; Primärtugenden). Mit der Romantik (um 1800), spätestens aber mit der Pariser Boheme (um 1850) beginnt die Konjunktur der antibürgerlichen Werte: der Haß auf den Bourgeois; der Kult des Nonkonformismus. Diese Phase endet mit dem Ende der 60-er Jahren. [5]

Das 21. Jahrhundert orientiert sich an ambivalenten Werten. Man kann auch von Wertparadoxien oder von Werthybriden sprechen, wie sie sich z. B. im «compassionate conservativism, dem caring capitalism oder dem libertären Paternalismus» [2] zeigen.

Hierbei gilt es zu berücksichtigen, dass den größten Transformationen unserer Meinung nach solche Werte wie Gemeinschaft, Familie, Sicherheit, Erfolg, Selbstentfaltung unterzogen wurden. Deutlich wird das aus unserer Studie von Wertemodifikationen.

Empirische Untersuchungen zum sogenannten Well-being zeigen immer wieder, dass nichts für Glück und Wohlbefinden wichtiger ist, als mit anderen in enger Verbindung zu stehen. Soziale Bindungen schränken aber Freiheit und Autonomie des Individuums ein. Daraus ergibt es sich aber, dass Glück nicht mit Unabhängigkeit korreliert ist. Eher gilt es umgekehrt: Was uns glücklich macht, bindet uns.

Neben Ehe und Familie waren traditionell Freundschaft und Gemeinschaft die Schauplätze solcher engen Verbindungen. Doch die modernen Kommunikationstechnologien haben die Begriffe Freundschaft und Gemeinschaft radikal verändert.

Die Bindungen der Freundschaft sind heute „links“, und die Gemeinschaft ist heute ein soziales Netzwerk im Web 2.0. In der alten Welt war es extrem zeitaufwendig, Freundschaften zu pflegen — und deshalb hatte man auch nicht mehr als fünf, sechs wirkliche Freunde. Heute dagegen brüsten sich viele Netzwerker damit, in der virtuellen Welt Hunderte von Freunden zu haben. Zu beachten ist, dass die Bindungen zu hundert Freunden viel schwächer sein müssen, als die traditionelle Bindung an die Busenfreunde. Aber gerade das wird durch die Logik der Netzwerker belohnt. Denn gerade schwache Bindungen sind besonders informationsstark.

Es sei betont, dass Gemeinschaft nicht mehr das Gegenteil von Gesellschaft ist. Die Virtual communities und Social networks verbinden die Vorteile von Gemeinschaft und Gesellschaft. Man ist in die Gemeinschaft nicht hineingeboren, sondern kann sie frei wählen und beliebig aktivieren. [1] Und die virtuelle Gemeinschaft ist nicht lokal beschränkt, sondern organisiert sich weltweit nach Interessen, Kompetenzen und Vorlieben. Was von Bedeutung ist, ist Gleichgesinntheit.

Zwischen den Extremen der kalten formalen Organisation der Mitglieder und der stallwarmen Solidargemeinschaft der «Brüder» bildet sich heute eine emanzipierte Gemeinschaft von Operatoren heraus, die weder ungesellig noch gesellig sind. So lässt sich die moderne Gesellschaft als Netzwerk hochselektiver Verknüpfungen darstellen, geprägt durch einen vernetzten Individualismus und eine fortschreitende Privatisierung der Geselligkeit. Von der Anarchie des Marktes unterscheidet sich ein Netzwerk durch gemeinsame Werte, und von der formalen Hierarchie unterscheidet es sich durch seinen informellen Charakter [5].

In offenen Netzen gibt es verschiedene Stufen der Anonymität. Die Vorteile liegen auf der Hand: Wenn man anonym bleiben kann, kann man ohne Gesichtsverlust seine Meinung ändern. Aber dabei ergibt sich die Frage, ob wir in einem solchen Fall sich selbst als Person nicht verlieren?

Eine der stärksten Formen der Gemeinschaft ist die Familie. Aber ihre Bedeutung als Wertes hat sich geändert.

Die Erfolgreichen des 21. Jahrhunderts haben die Familie als Ressource entdeckt. Das Familienleben wird nicht als Idyll, sondern als kooperativer Konflikt empfunden. Die Familie wird betrachtet als Ort der Konvergenz all der gesellschaftlichen Rollen, die man zu spielen hat. Die Ehe besteht ja selbst aus zwei aufeinander abgestimmten Rollen, jede von denen für die andere zugleich Publikum ist. Es geht nicht ums Gewinnen, sondern um die Aufrechterhaltung der wechselseitigen Anteilnahme. Die Familie ist der Ort, an dem das Prinzip der persönlichen Vorteilsmaximierung ausgeschaltet ist. Man kann sicher behaupten, dass die Familie die Welt der starken Bindungen ist.

Familien bilden die Welt der akzeptablen Ungleichheit: es werden asymmetrische Opfer gebracht. Kinder aufzuziehen und eine Ehe zu führen «bis dass der Tod euch scheide», erfordert aus der Perspektive einer Kosten-Nutzen-Kalkulation irrationale Opfer. Die größten Vorteile starker Familienbindungen kommen nämlich meist nicht denen zugute, die die größten Verpflichtungen auf sich nehmen.

Familien produzieren Gefühle. In der Liebe hat man nicht nur den Nutzen des eigenen Konsums, sondern auch den des Partners, gewissermaßen Freude an der Freude des anderen. Liebe heißt ökonomisch betrachtet, dass mir der Konsum des Partners genau so viel Nutzen bringt wie der eigene Konsum. Intimität, die Wertbindung der Ehe und gegenseitige Unterstützung bringen beiden Partnern Gefühlsdividenden.

Die Rollen als Ehepartner und Eltern sind Quellen der Selbstwertschätzung; sie bieten Belohnung, Status und Chancen der Flucht aus dem Stress des öffentlichen Lebens. Es geht hier um den kathartische Mehrwert des Familienlebens: die Lizenz zum Sichgehenlassen und das Genießen einer erläuterungsunbedürftigen Existenz.

Aber warum neigt die Jugend von heute nicht dazu, eine Familie zu gründen? Warum haben moderne Familien kleine Anzahl der Kinder? Der Grund scheint einfach zu sein: Egoismus und Hedonismus. Das ist eine Nebenwirkung der postmodernen Kultur.

Werte von Familie und Gemeinschaft hängen eng mit Sicherheit zusammen. In der heutigen Welt ist das Konzept der «Sicherheit» ungewiss. Unsere Wohnungen sind mit verschiedenen Sicherheitssensoren, Sprechanlagen, Brandschutzsystemen, automatischen Polizeianruftasten ausgestattet. Aber zur gleichen Zeit sind wir in der virtuellen Welt und in der Medien-Welt zu leichtgläubig. Hier ist ein Paradoxon der Werte. Wir haben Vertrauen zu allem, was gedruckt und veröffentlicht ist, obwohl das heutige Niveau von Hochtechnologien das Unmögliche möglich macht. Es liegt auf der Hand, dass hier ständig manipuliert wird. Aber unser Vertrauen in die Massenmedien ist trotzdem alternativlos.

Sicherheit ist auch das große Thema der Internet-Gesellschaft, weil Unsicherheit ihr Lebenselement ist. Bekanntlich kann man das Internet nicht kontrollieren, weil es zu komplex und dezentral strukturiert ist. Information fließt frei; das erkennt man daran, wie aufwendig, schwierig und letztlich erfolglos Zensurversuche sind. Das Internet kann nicht sicher, sondern nur robust sein. Kunden möchten als Individuen behandelt werden und hinterlassen gerade dadurch Datenspuren, aus denen findige Programme «Profile» erstellen können. Solche stochastischen Profile führen unter dem Namen «Trends» längst ein Eigenleben in der Öffentlichkeit. Identity Management ist ein neuer technischer Begriff, der um Sicherheitsfragen im Netz, Kundenprofile und Datenspuren kreist.

Damit werden wir selbst anschaulich, und es sind eben auch die Informationen über uns als User, Kunden und Bürger für alle anderen durch einen Mausklick zugänglich.

Zu erwähnen ist auch der Wert Erfolg.

Wenn eine Person eine Familie, Gemeinschaft und Sicherheit hat, dann wird es als Erfolg bewertet. Und wie hat sich dieser Wert verändert? Hierbei gilt es zu berücksichtigen, dass es in unserem Land eine lange Zeit eine negative Einstellung zum Erfolg gab. Wahrscheinlich war dies aufgrund der dominierenden sowjetischen Ideologie. Das Prinzip der «universellen Gleichheit» war mit erfolgreichen Menschen unvereinbar. Aber in den letzten Jahrzehnten haben sich die Jugendlichen wieder mit dem Leistungsprinzip versöhnt. Das Ressentiment gegen den Erfolg führt heute nur noch ein Nischendasein. Gerade die emanzipierten Frauen drängen ja auf Karriere. Doch beides, Erfolg wie Karriere, gibt es heute nur noch in gebrochener Form. Die Metapher von der Karriereleiter ist endgültig zerbrochen. Eine moderne Karriere ist nicht mehr linear, sondern mosaikartig und fraktal. [4]

Der Erfolg ist nun als persönliches Verdienst des Menschen angesehen und kann durch Selbstverwirklichung erreicht werden.

Der Begriff der Selbstverwirklichung wird mit dem Begriff der Selbstentfaltung verbunden. Das vermittelte Wissen gibt den Jugendlichen eine Möglichkeit der Relativierung von Wertvorstellungen ihres sozioökonomischen Umfeldes. Dazu kommt, dass sich die Sozialisation Jugendlicher heutzutage meist in den Gruppen vollzieht, was zu einer Wertevorstellung in Richtung Selbstständigkeit und Selbstentfaltung führt. Die Bildung von Selbstentfaltung ist eine Priorität für moderne Ausbildung. Dieser Zwang zur Selbstentfaltung stellt einen bedeutenden Faktor in der Werteorientierung dar. Das moderne Bildungssystem offeriert den Schülern die Möglichkeit der Selbstdarstellung, die es in dieser Form noch nicht gegeben hat. [6] Selbstentfaltung entspricht den Erfordernissen moderner Gesellschaften.

Aber die positive Entwicklung der Selbstverwirklichung hat eine Rückseite — sie hat den Verlust seiner Persönlichkeit zur Folge. Viele, vor allem junge Menschen, die mit dem Internet aufgewachsen sind und es als eine zweite Natur erfahren, können mit unseren klassischen Begriffen von Privatsphäre und Intimität gar nichts mehr anfangen. «Russland sucht den Superstar und Casting-Shows im Fernsehen, YouTube und MySpace im Internet signalisieren Exhibitionismus als neuen Megatrend. Doch was steckt dahinter? YouTube spricht es aus: Broadcast yourself. Hier geht es um neue Formen einer öffentlichen Zurschaustellung von Identität. Wer bin ich? Auf diese Frage wird man heute antworten: Gib deinen Namen bei Google oder Yahoo ein, google deine Identität». [5]

Dabei sehen wir die Lücke zwischen dem «Ich bin Real» und «Ich bin Virtuelle». Das ist für die eigene Identität nicht nützlich, sondern verwandelt einen Menschen in eine graue Masse. Der Wert Selbstverwirklichung ändert seine Bedeutung.

Zusammenfassend zeigen die Wertewandelstudien, dass sich solche Werte wie Gemeinschaft, Familie, Sicherheit, Erfolg und Selbstentfaltung in der modernen Gesellschaft geändert haben. Daraus können wir folgende Schlussfolgerungen ziehen:

1)                 Es gibt einen Rückgang von Werteeinstellungen.

2)                 Die traditionellen Werte mit ihrer klassischen Interpretation werden durch die neuen ersetzt.

3)                 Aktuelle Werte sind eng mit der Kultur der Postmoderne verbunden, vor allem mit der Internet-Kultur.

4)                 Werte des 21. Jahrhunderts kennzeichnen sich durch einen individualistischen und hedonistischen Charakter.

Die durchgeführten Wertestudien machen auch deutlich, dass der Wert der Persönlichkeit heute, wie früher, mit dem Wunsch verbunden ist, ihre Existenz mehr frei und informationsreich zu machen. Doch das ist ein Teufelskreis, der Befriedigung der einen Bedürfnisse folgen immer neue, kompliziertere. Gleiche moralische Gründen sollen auch in der Informationsgesellschaft bewahrt werden, sonst wird es einfach aufhören, menschlich zu sein.

Und diese Werte sind zeitlos.

Bibliography:

1.      Heinemann I. Wertewandel, Version: 1.0//Docupedia-Zeitgeschichte, 22.10.2012. — URL: http://docupedia.de/zg/Wertewandel

2.      Himmelfarb G. The De-moralization Of Society: From Victorian Virtues to Modern Values. — NYC., 1996. — P. 259.

3.      Klages H. Wertorientierungen im Wandel. Rückblick, Gegenwartsanalyse, Prognosen, Frankfurt. — 1984.

4.      Noelle-Neumann E. Zeitenwende. Der Wertewandel 30 Jahre später, in: Aus Politik und Zeitgeschichte B 29 (2001), S. 15–22, bes. S. 16–18..- URL: http://www.bpb.de/apuz/26133/zeitenwende-der-wertewandel-30-jahre-spaeter?p=all.

5.      Norbert Bolz. Werte — Index 2014. Wertewandel. — URL: www.tu-berlin.de.

6.      Wertewandel. // Informazionnyi portal swobodnoi enziklopedii «Wikipedia» — 2014. — URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Wertewandel

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