Библиографическое описание:

Васюк А. В. Neue Medien und Jugendsprache // Молодой ученый. — 2012. — №10. — С. 183-185.

Neue Medien sind aus unserem Alltagsleben nicht wegzudenken. Wie ein europäisches Forschungsprojekt „Kinder, Jugendliche und Internet“ herausfand, „ lässt ein Leben fernab von medialen Inhalten und Medientechnologie bereits für jüngere Kinder kaum noch zu.“ [10] Die jüngere Generation haben den Zugang zum Internet nicht nur per Computer, sondern auch per Handy, sodass sie mit virtueller Welt immer im Kontakt bleiben. Die beliebtesten Online-Medien sind soziale Netzwerke, z. B. Facebook, Myspace oder Wer-Kennt-Wen. In diesen Webseiten können Jugendliche sich dadurch darstellen, dass sie Kommentare schreiben oder Freunde „sammeln“. Dabei zeigen die Nutzer öffentlich ihre Persönlichkeit und Identität an verschiedenen Kontexten und Situationen. „So befinden sich auch die heute bei Kindern und Jugendlichen besonders beliebten Online-Medien ... in einem äußerst sensiblen, zuweilen auch heiklen, aber immer hoch komplexen Beziehungsfeld unterschiedlicher gesellschaftlicher Diskurse.“ [10] Aber Jugendliche teilen ihre Meinungen auf besondere Weise mit: sie benutzen so genannte Jugendsprache, die ihre Zugehörigkeit zur Jugendkultur betont.

Definition des Begriffs „Jugendsprache“

Jugendsprache entstand viel früher, als die Wissenschaftler anfingen, sie zu untersuchen. Der erste Versuch stammt vom Göttinger Studenten Daniel Ludwig Wallis und wurde 1813 veröffentlicht. In dieser wissenschaftlicher Prosa „bestimmt es wesentliche Eigenschaften ('lokal', 'überregional', 'derb' und 'Kürze') der „Ausdrücke und Redensarten der Studenten“ und gibt eine kritische Einschätzung der „fremdartigen Wörter“, die nach dem Abschied von der Studentenwelt wegfielen“. [6, 1] Vom 18. bis zum 20. Jahrhundert entwickelte sich Jugendsprache in Studentenkreisen, was mit vielen Studentenbewegungen verbunden ist. In dieser Zeit bedeutete Jugendsprache die Sprache der Studenten. [1, 19]

Erst Anfang der 80er Jahre wurden Jugendsprachforschungen unternommen, die Helmut Henne mit seinem Vortrag „Jugendsprache und Jugendgespräche“ 1980 begann. Henne führt solche Definition der Jugendsprache: „Jugendsprache bezeichnet spezifische Sprech- und Schreibweise, mit denen Jugendliche ihre Sprachprofilierung und damit ein Stück Identitätsfindung betreiben“. [6, 207] Es geht darum, dass Jugend in der Gruppe seine Ich-Identität entwickelt. In der Gruppe spielen Jugendliche verschiedene gesellschaftliche Rolle und erfahren, wie sie mit anderen Mitgliedern umgehen müssen. In der Gruppe sind spezifische Verhaltensweisen, Kleidung, Gestik, Mimik und Sprache, die den Abstand von anderen Gruppen und der Erwachsenenwelt sichert und die Solidarität in der Gruppe fördert. [6, 204]

Heute wird Jugendsprache von Sprachwissenschaftlern als komplexes sprachliches Register angesehen. In diesem Zusammenhang wurden folgende Thesen von Hermann Ehmann aufgestellt:

  1. Es gibt nicht die eine Jugendsprache, weil es die Jugend als homogene Gruppe nicht gibt. Vielmehr existieren mehrere Jugendsprachenvarietäten nebeneinander, die sich wiederum gegenseitig inspirieren (Szene – Sprache, Musikerjargon, Schüler- bzw. Studentensprache …); sie sind auch stets ein seismographischer Reflex des jeweiligen gesellschaftlichen Umfeldes.

  2. Es gibt nicht die Jugendsprache an sich, wohl aber jugendspezifische Besonderheiten, die sich in sprachlicher, grammatischer, lautlicher und wortbildungsspezifischer Hinsicht deutlich von der Standardsprache abheben.

  3. Es gibt nicht die Jugendsprache als mehr oder weniger komplettes Sprachsystem, sondern lediglich das schnelllebige, sich nicht zu einer festen Struktur verdichtende Sprechen von Jugendlichen. [4, 23]

Wortschatz der Jugendsprache

Die kennzeichnende Merkmale auf der lexikalische Ebene der Jugendsprache sind:

  1. Bedeutungsverschiebungen bzw. –veränderungen (= semantische Variation)

  2. Bedeutungserweiterungen (= semantische Addition)

  3. Bedeutungsverengungen

  4. Bedeutungsumkehrungen (= semantische Paradoxa)

  5. Wortveränderungen (lexikalische Mutation)

  6. Wortneuschöpfungen (= Neologismen)

  7. Vereinfachungen (= Ökonomisierung)

  8. Superlativierungen (= Steigerung von Begriffen, indem man „super“, „mega“, „hammer“, „extra“, „urest“ davor setzt)

  9. Klangliche Eindeutschungen (= phonologische Germanisierung)

  10. Verbalisierungen von Substantiven

  11. Kreative Wortspiele

  12. Fremdsprachliche Anleihen (= Internationalismen) [4, 8]

In diesem Bereich sind die Strebungen der jungen Menschen zur Sprachökonomie, Spontanität, Kreativität, Direktheit, Freiheit und Ungezwungenheit zu sehen. Dabei kommen grammatische Abweichungen bzw. der Genitivschwund oder Vereinfachungen des Satzbaus bzw. Kurzsätze, Aposiopesen (= vollständige Satzbrüche) oder Anakoluthe (= teilweise Satzbrüche). [5, 15]

Textformen der Jugendsprache

Bei der Jugendsprache kommen kurze und lange Textformen am meisten vor:

  1. SMS. Obwohl nur 160 Zeichen in einer Nachricht möglich sind, können die Jugendlichen mehr dadurch sagen, dass sie Ziffern, Buchstaben und Satzzeichen in verschiedenen Kombinationen verwenden und Wörter abkürzen. Beispiele:

    • Hey Du, bin grad mit Schonwieder Schmerzen aufgewacht und geh nachher zum Arzt, Frühstück verschoben auf Sonntag,OK? nicht bös sein bitte

    • So ein Zufall!!!!Deine SMS kam gerade als ich meine abgeschickt habe:Jetzt noch mal:)GDDanken koennen doch halt fliegen.A.

  1. Brief. Die Jugendlichen schreiben immer seltener Briefe, aber private E-Mails (nach Angaben der Studie von Dürscheid, Wagner und Brommer „Wie Jugendliche schreiben“ [3, 132]) spielen doch eine wichtige Rolle in ihrem Leben:

    • Hey,

ich schicke euch das Foto von Freitagabend zu. Einmal als PDF.Datei und einmal als normales Foto. Ich habe meine Wien-Fotos jetzt schon viele Male mit Freunden und meiner Familie angesehen - es ist noch ein komisches Gefühl, nicht mehr nach Wien zurückzukehren. Aber wenn die Fotos entwickelt sind, kommt dieses Foto an einen besonderen Platz, und wer weiß, wann man sich mal wieder sieht. Polen ist ja nicht so weit weg und Jena ist von mir nur knapp 2 Stunden entfernt.

Alles Liebe und Gute nach Polen und Österreich ;)

  1. Tagebücher/Blogs wurden zu einer wichtigen Kommunikation, es gibt überall im Netzwerk Portale, wo ein Tagebuch führen kann: http://www.shanghai-megabreit.de/, http://www.tagebuchland.de/, http://www.schreibjournal.de/tagebuch/internet-tagebuecher/.

  2. Chat-Kommunikation. Diese Art der Kommunikation steht zur Verfügung, nachdem sich die Nutzer und Nutzerinnen mit ihren jeweiligen Spitznamen und Passwörtern in die Homepage eines webbasierten Chat-Systems eingeloggt haben. Chat-Rooms richten sich nach bestimmten Themen oder Interessen der Chatter/innen. [2, 20] „Das dynamisch generierte Fenster wird individuell erzeugt und kann auf Grund der folgenden technischen Möglichkeiten auf den jeweiligen Bildschirm der Interagierenden anders aussehen: die Kontrolle der Geschwindigkeit..., das Kommunizieren in Form „privater Mitteilungen“..., die Möglichkeit der Ausblendung aller öffentlichen Beiträge...“ [2, 22]

    • wie bist du ohne mich klargekommen???

    • es war sooooooooooo furchtbar ohne dich habe nur getrauert

    • versteh schon. *lol*

    • und wie ging es dir so ohne mich?

    • Morgens konnte ich nicht essen, weil ich an dich dachte. Mittags konnte ich nicht essen, weil ich an dich dachte. Abends konnte ich nicht essen, weil ich an dich dachte. Nachts konnte ich nicht schlafen, weil ich hunger hatte... [2, 113]

Jugendsprache bei Facebook

Forschungstendenzen

Neue Medien und ihr Einfluss auf Jugend und Kommunikation der Jugendlichen sind derzeit Trendthemen für Forscher in verschiedenen Bereichen. Zuerst begannen Psychologen zu untersuchen, wie sich die Persönlichkeit der Nutzer entwickelt, wie sich Jugendliche in der Webseiten identifizieren und darstellen, ob virtuelle Kommunikation reale Kommunikation stören kann. (Vgl. Schmidt). Als noch jüngere Kinder begonnen, sich in Facebook anzumelden, schlugen Pädagogen Alarm, weil Computer allmählich Bücher und reale Welt ersetzte. (Vgl. ein europäisches Forschungsprojekt „Kinder, Jugendlich und Internet“).

Ein starker Einfluss auf Kommunikation der Jugendlichen weckte großes Interesse bei Sprachwissenschaftlern. „Schreiben hat durch die neuen Medien einen anderen Status bekommen... Ein Grund für die sprachlichen Besonderheiten der Internetkommunikation mag darin liegen, dass die neuen Medien den Jugendlichen schriftliche Kommunikationsmöglichkeiten bieten, ohne zugleich entsprechende Textmuster oder Vorbilder zur Verfügung zu stellen. Die Jugendlichen haben somit die Chance, eigene Muster und Lösungsmöglichkeiten für die Anforderungen im Internet zu entwickeln und neue Normen zu erproben“. [3, 101] Die Forscher untersuchen Besonderheiten der Kommunikation bei verschiedenen Subkulturen, z. B., Hiphop-Kultur, oder in verschiedenen Kommunikationsräumen, z. B., Pins an Webseiten oder E-Mails. Dabei sind im Mittelpunkt Schreibstil und seine Realisierung in der Kommunikation: Satzzeichen, Emoticons, Nicknames. Es werden alle mögliche Aspekte der Sprache geforscht: lexikalische, syntaktische, grammatische, orthografische Ebenen.

Was genau Forschungen der Kommunikation in sozialen Netzwerken betrifft, wurden in letzten Jahren verschiedene interessante Studien veröffentlicht. 2007 analysierte Pentzold („Wikipedia: Diskussionsraum und Informationsspeicher im neuen Netz“) Kommunikationsformen in Wikipedia. In demselben Jahr erschienen Artikeln und Essays, die eine neue Tendenz zur Veröffentlichung des Privaten, das Verhältnis von Netzwerken in Offline- und Online-kontext untersuchen. Eine neue Arbeit („Online Netzwerke: eine kommunikationstheoretische und soziolinguistische Analyse“) wurde von Nadine Tuor 2009 geschrieben. Tuor hält fest, dass es neue Kommunikationsweise entstehen und miteinander kombiniert werden. [3, 58]

Besonderheiten der Jugendsprache bei Facebook und Tendenzen ihrer Entwicklung.

Zusammenfassend sind folgende Besonderheiten der Jugendsprache und Tendenzen ihrer Entwicklung in Facebook zu erkennen:

    • Verkürzungen und Abweichungen in der Orthografie;

    • Verwendung von Dativ weder Genitiv;

    • Doppeltes Perfekt;

    • Ellipse;

    • Verwendung von Kurzwörtern und -formen;

    • Entlehnungen aus dem Englischen im Wortschatz und in der Grammatik;

    • Vulgarismen;

    • grammatische Abweichungen;

    • Streben zur Mündlichkeit;

    • Ausdruck subjektiver Stellungnahme durch häufige Verwendung von Abtönungs-, Grad-, Steigerungspartikeln.

Deutsche Jugendsprache wird diesen Tendenzen entsprechend weiter entwickelt, weil Jugend sich auf solche Weise von den Erwachsenen abgrenzt und eine Gruppenzugehörigkeit signalisiert. [9] Es bringt eine Abwechslung zum alltäglichen Leben und Jugendliche haben ein starkes Gefühl, dass sie cool und auf einer Art und Weise spezifisch sind.

Verbunden damit ist auch ein Bemühen von Jugendlichen, ein anderes Verhältnis zum Leben zu äußern. Auf diese Art und Weise zeigen sie vielleicht ihre oft radikalen Ansichten, ihr Erleben alltäglicher Situationen und Bestreben, sich durchzusetzen.

Die Jugendsprache hängt noch von anderen verschiedenen Aspekten ab, sowie: Geschlecht, Migration, Alter, soziale Herkunft, Region, Subkulturen. Das ist einer der wichtigsten Gründen der Vielfalt der Textformen und Lexik der Jugendsprache.

Weite Breite von Netzkommunikation entsprechen den Bedingungen kommunikativer Nähe, sind also von Dialogizität, Spontanität, Vertrautheit bzw. Gleichrangigkeit der Kommunikationspartner, freier Themenentfaltung usw. geprägt.“ [7, 69]

Facebook bietet viele Möglichkeiten zur Kommunikation an: Chat, Umtausch von Musik, Videos, Nachrichten, Veranstaltungen (selbst organisieren oder besuchen) und andere Aktivitäten. Auf solche Weise entstehen neue Formen von Schriftlichkeit und neue jugendliche Schreibstile, die von Musik, Mode oder Umgebung, in der sich die Mitglieder der Jugendgruppe befinden, eingeflossen werden. [8, 208]


Bibliographie:

  1. Androutsopoulos Jannis K. (1998): Deutsche Jugendsprache, Untersuchungen zu ihren Strukturen und Funktionen, Peter Lang, Frankfurt am Main.

  2. Dorta Gabriel (2005): Soziale Welten in der Chat-Kommunikation, Untersuchungen zur Identitäts- und Beziehungsdimension in Web-Chats, Hempen-Verlag, Bremen.

  3. Dürscheid Christa/Wagner Franc/Brommer Sarah (2010): Wie Jugendliche schreiben, Schreibkompetenz und neue Medien, Mit einem Beitrag von Saskia Waibel, De Gruyter, Berlin

  4. Ehmann Hermann (1994): Affengeil, Ein Lexikon der Jugendsprache, Verlag C. H. Beck, München

  5. Ehmann Hermann (2001): Voll konkret, Das neueste Lexikon der Jugendsprache, Verlag C. H. Beck, München.

  6. Henne Helmut (2009): Jugend und ihre Sprache, Darstellung, Materialien,Kritik,Georg Olms Verlag, Hildesheim

  7. Neuland Eva (2008): Jugendsprache, Eine Einführung, A.Francke Verlag Tübingen und Basel, Tübingen

  8. Neuland Eva (2003): Jugendsprachen – Spiegel der Zeit, Internationale Fachkonferenz 2001 an der Bergischen Universität Wuppertal, Peter Lang, Frankfurt am Main.

  9. http://www.focus.de/schule/schule/jugendsprache-voll-normal-megasupergeil_aid_633304.html

  10. http://www2.mediamanual.at/themen/medien/60_Paus-Hasebrink-Rathmoser-Kinder_Jugendliche_Interne.pdf


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